Macht Fairness glücklich?

Fairness macht glücklich. Das ist die Erkenntnis aus dem Jahre 2008 von Wissenschaftlern um Forschungsleiter Golnaz Tabibnia an der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA). Dank sogenannter Hirnscans - bildgebende Verfahren, um Aktivitäten im menschlichen Gehirn zu beobachten - ließ sich das Gefühlsleben von Testpersonen beobachten.

 

Nicht nur der materielle Gewinn befriedigt demnach Menschen in Verteilungs- und Verhandlungssituationen.


Ganz unabhängig vom materiellen Ergebnis ist allein die praktizierte Fairness ein stark empfundener immaterieller Gewinn,
der den Vorgang lohnend erscheinen lässt.

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Im Detail:

Die Wissenschaftler rekrutierten 29 Studenten, denen vor Beginn der Tests erzählt wurde, andere Testteilnehmer hätten bestimmte Angebote zur Aufteilung einer Geldsumme vorgelegt. Akzeptierten sie ihr Angebot, könnten sie das Geld behalten, andernfalls würde keiner der beiden Partner etwas erhalten. Um den Einfluss des finanziellen Gewinns auf die Entscheidung auszuschalten, unterbreiteten die Wissenschaftler den Studenten nur gleichwertige Angebote, wie 7 von 15 und 7 von 23 Dollar.

Bei der drauf folgenden Befragung gaben die Testpersonen an, sich bei fairen Angeboten glücklich und zufrieden gefühlt zu haben, was die Gehirnscans bestätigten: Bei sehr fairen Angeboten war die Aktivität in Gehirnregionen, die mit positiven Gefühlen und Belohnung gekoppelt sind, viel höher als normal. Dies belege, so die Forscher, dass Fairness an sich schon positive Emotionen hervorrufe, unabhängig vom materiellen Gewinn. Der subjektive Eindruck von Fairness, der mit Glücksgefühlen verbunden sei, sei zudem durch die Gehirnscans tatsächlich nachweisbar.

Und noch etwas fanden die Forscher heraus: Wenn unfaire Angebote mit einem hohen finanziellen Gewinn einhergingen wie bei 7 von 23 Dollar, änderte sich etwas: Der Gehirnteil, der Gefühle reguliert, wird aktiver, während ein anderer Gehirnteil, das negative Effekte hervorruft, ihre Aktivität einschränkte. Auf diese Weise, glauben die Forscher, würden negative Reaktionen auf ein ungerechtes Angebot gedämpft. Die Logik einer sinnvollen ökonomischen Entscheidung kann so über den Stolz triumphieren.


(Gemäss Übersetzung von N. Copray. Zum
englischen Originalartikel (2MB).)

 

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